was ist schön

Forever young: Wie sinnvoll ist Anti-Aging?

Der Markt für Schönheits-OPs in Deutschland boomt angeblich schon seit Jahren. Lange hat mich das Thema trotzdem nicht interessiert. -Bis ich eine Frau kennenlernte, die auf die 60 zugeht, aber ungelogen 20 Jahre jünger aussieht. Erst da wurde mir bewusst, was heutzutage überhaupt möglich ist. -Selbst für Normalsterbliche.

Denn eine Celebrity ist meine Bekannte nicht, reich ebensowenig, und doch investiert sie gern in ihr Äußeres. Anti-Aging-Cremes stapeln sich in ihrem Badezimmer. Als sehr viel wirkungsvoller hat sich jedoch die plastische Chirurgie bei ihr erwiesen. Was genau sie an sich machen ließ, hat sie mir leider nicht verraten. Von einem Fadenlifting war kurz die Rede, sie wollte jedoch nicht näher darauf eingehen. Fakt ist, dass ihr Gesicht vollkommen natürlich wirkt. Man sieht ihr den oder die Eingriffe nicht an. Ich war sprachlos, als ich erfuhr, wie alt sie ist.

Seitdem ist mir das Thema nicht aus dem Kopf gegangen: Warum eigentlich nicht etwas engagierter gegen den Alterungsprozess vorgehen?, dachte ich mir. Wenn ich mir ausrechne, wie viel Geld ich schon für Klamotten, Schuhe, Schmuck, Friseurbesuche und Kosmetik ausgegeben habe – allesamt Investitionen in mein Äußeres -, wäre es doch nachhaltiger, diese Summe gleich in meinen Körper bzw. mein Gesicht zu stecken. 

Wer schön sein will, braucht Zeit…

Klar, die Kosten für derartige Eingriffe übersteigen mein Budget für Kosmetika bei weitem und stellen damit die erste Hürde dar. Was mich wirklich zögern ließ, war allerdings die mangelnde Verfügbarkeit. Um eine Gesichtscreme gegen Falten zu kaufen, muss ich nur in die nächstbeste Drogerie gehen. Wenn ich mir aber Falten unterspritzen lassen möchte, muss ich erst einmal eine Praxis ausfindig machen, die diesen Service anbietet, einen Termin vereinbaren, zu einem Vorgespräch erscheinen. -Und dann darauf vertrauen, dass der Job dort optimal umgesetzt wird.

Hinzu kommt meine Unwissenheit gegenüber den immer zahlreicher werdenden Methoden, die von Dermatologen und Schönheitschirurgen angeboten werden. Zig verschiedene Laser, Filler, Botox, Vampir-Lifting, Microneedling und weiß der Geier, was noch! Wie soll man da den Überblick bewahren? 

Wer schön sein will, braucht nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit. Die geht schließlich flöten, wenn man erst einmal recherchieren und dann auch noch Arzttermine wahrnehmen muss.

Wozu der ganze Aufwand?

Der Mann fürs Leben ist bereits gefunden, die Familienplanung abgeschlossen, der Freundeskreis etabliert. Die Leute kennen mich und mein Alter. Wem soll ich noch etwas vormachen? Und warum überhaupt?

Lohnt sich der Aufwand denn?

Viele sprechen davon, dass sie sich wohler in ihrer Haut fühlen, seitdem sie künstlich verjüngt worden sind. Das Gefühl kenne ich: Nach einem Friseurbesuch oder Termin bei der Kosmetikerin hat man gleich viel bessere Laune. Man wurde schließlich aufgehübscht. Das steigert nachweislich den Selbstwert. -Allerdings nicht nachhaltig. Schon ein, zwei Tage später hat man sich an sein neues Aussehen gewöhnt. Es ruft keine Begeisterung mehr in uns hervor.

Außerdem rennt man ja nicht mit einem Spiegel vor der Nase herum. Den Großteil des Tages denkt man überhaupt nicht an die eigene großporige, fleckenübersäte und schlaffer werdende Haut. Oder doch? Vielleicht sollte ich nicht so pauschal von mir auf andere schließen…

Was ist schön?

In einer Vorlesung über Friedrich Nietzsche wurde dessen große Liebe, Lou Andreas-Salomé, erwähnt. Als sie sich kennenlernten war Lou 21 Jahre jung – und mit Sicherheit hübsch. Fotografien von ihr zeigen jedoch keine klassische Schönheit.

lou andreas salomé
Lou Andreas-Salomé 1897: Sie war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt.

Trotzdem verdrehte die Schriftstellerin und Psychoanalytikerin auch in ihren Vierzigern und Fünfzigern noch so einigen Herren den Kopf. -Männer, die zumeist viel jünger waren als sie. Mit dem 21-jährigen Rilke bandelte sie zum Beispiel an, als sie bereits 36 Jahre alt war. Zu ihrer Zeit konnte von Anti-Aging noch keine Rede sein, erst recht nicht von Schönheits-OPs. 

Da frage ich mich schon:

Lässt sich Attraktivität tatsächlich auf ein faltenfreies Gesicht, eine gerade Nase, volle Lippen reduzieren?

Vermutlich ist diese Frage so alt wie die ästhetische Chirurgie. Ich habe absichtlich nicht nach einer Antwort gegoogelt. Ich will sie mir selbst beantworten.

Nun, ich muss zugeben, dass ich bei einigen mir nahestehenden Menschen schon mit Bedauern den körperlichen Verfall registriert habe: „Ach, ist der alt geworden“, dachte ich mir des Öfteren. Das Älterwerden bekümmert mich – nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei anderen. Viele meiner liebgewonnenen Mitmenschen würde ich am liebsten konservieren, auf dass sie optisch immer so bleiben wie sie sind. Jung, frisch, gesund und munter.

Dem Tod ein Schnippchen schlagen

Der Alterungsprozess wurde von Wissenschaftlern mal mit einer Krankheit verglichen. Einer tödlichen Krankheit. Und vielleicht steckt hinter dem Wunsch, jünger auszusehen, lediglich die Sehnsucht nach ewigem Leben.

Solange das Gesicht nicht allzu zerfurcht aussieht, kann der Tod ja noch nicht lauern. Man ist sicher.
Doch es ist ein zeit- und kostenintensiver Kampf, den man am Ende ja doch verliert.

Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe, die für einen Eingriff oder Antig Aging sprechen. Einige Menschen sind genetisch begünstigt und scheinen immun gegen Falten, andere sehen bereits in jungen Jahren ziemlich alt aus. Und das wird mit zunehmendem Alter ja nicht besser. Irgendwann sieht man sich auf einem Foto und erschrickt tatsächlich: Das bin ich? Keiner will alt aussehen. Und doch tun wir es früher oder später.

Für eine OP ist es – laut Schönheitschirurgen – übrigens nie zu spät: Immer mehr Frauen und Männer in ihren 60ern und 70ern unterziehen sich Facelifts, Bauchdeckenstraffungen, Oberarmstraffungen oder Oberschenkelstraffungen.

Ich habe also noch Zeit, darüber nachzudenken… 😉


1 Kommentar zu „Forever young: Wie sinnvoll ist Anti-Aging?“

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