Die Geschichte klingt märchenhaft, entspringt aber der Wirklichkeit: Ein Vater entwickelt ein Medikament gegen das Leiden seines Kindes – und rettet ihm so das Leben.
Als er von der seltenen Krankheit hört (sein Sohn hat das Menkes-Syndrom), arbeitet Xu Wei als Verkäufer in einem Laden für Steckdosen. Vom Arzt erfährt er lediglich, dass Patienten, die mit dem Menkes-Syndrom diagnostiziert werden, i.d.R. vorm dritten Lebensjahr versterben. Da ist sein Sohn ein Jahr alt. Da die Krankheit sehr selten ist und selbst in China jährlich höchstens 50 Kinder damit diagnostiziert werden, haben Pharmafirmen kein Interesse daran, an einem Wirstoff gegen die Krankheit zu forschen. Dem Vater wird klar: ihm bleiben maximal zwei Jahre, um selbst ein Medikament zu finden.
Das Besondere an dieser Story, die als Feature im Deutschlandfunk läuft: Xu Wei ist weder Pharmazeut noch Mediziner. Mit 15 Jahren hat der Sohn eines LKW-Fahrers die Schule abgebrochen, um als Verkäufer zu arbeiten.
Nun kündigt er seinen Job, zieht wieder bei seinen Eltern ein, wo er sich in deren kleinen Gästezimmer ein Labor herrichtet, und fängt an, zu forschen. Seine Frau verlässt ihn, nicht einmal seine Eltern glauben an ihn, aber Xu Wei lässt nicht locker. Er liest wissenschaftliche Studien, von denen er teils Stunden braucht, um einzelne Sätze zu verstehen. Er testet die Erkenntnisse an sich selbst. Und schließlich wird er fündig.
Selten hat mich eine Radio-Reportage so berührt wie „Breaking Dad – Xu Wei rettet sein Kind„. Xu Wei will seinen Sohn nicht dem Tod überlassen, der „ewigen Dunkelheit“ wie er ihn nennt. Eine Dunkelheit, die er selbst kennengelernt hat, als er als Kind einen schweren Unfall hatte und sein Leben selbst auf Messers Schneide stand.
Die Reportage handelt jedoch nicht so sehr von Elternliebe als davon, wie sehr ein Mensch über sich hinauswachsen kann. -Und zwar unabhängig von seinem Bildunggrad oder Beruf. Entscheidend ist seine Motivation.
Xu Wei findet ein Medikament, vor allem aber findet er seine Bestimmung. Von da an setzt er sich mit seiner neugewonnen Expertise für alle Kinder mit Menkes-Syndrom in China ein. Er wird zum Fachmann und Spezialisten. Und – wer weiß? – vielleicht bekommt sein Medikament irgendwann sogar eine Zulassung.
