Das sollten Sie über Ihren digitalen Nachlass wissen
Unser digitales Leben endet nicht automatisch mit dem Tod. Fotos liegen in der Cloud, wichtige Dokumente im E-Mail-Postfach, Verträge werden online verwaltet und Familienerinnerungen finden sich längst nicht mehr nur in Fotoalben, sondern auch auf Smartphones und Social-Media-Plattformen. Doch was geschieht damit, wenn wir nicht mehr da sind?
Die meisten Menschen beschäftigen sich erstaunlich wenig mit dieser Frage. Laut einer Bitkom-Erhebung aus dem Jahr 2025 haben gerade einmal 32 Prozent der Internetnutzer ihren digitalen Nachlass vollständig oder teilweise geregelt. Gleichzeitig möchten 60 Prozent ausdrücklich nicht, dass andere nach ihrem Tod Zugriff auf ihre digitalen Inhalte erhalten.
Das klingt zunächst widersprüchlich: Wir wollen unsere Privatsphäre schützen, kümmern uns aber kaum darum, wie das nach unserem Tod funktionieren soll. Für Angehörige kann das zum Problem werden. Denn wer nicht weiß, welche Konten existieren, wo wichtige Unterlagen gespeichert sind oder welche Verträge weiterlaufen, muss sich mühsam durch das digitale Leben eines Verstorbenen arbeiten.
Grund genug, sich rechtzeitig mit dem digitalen Nachlass zu beschäftigen.
Was passiert mit meinen Daten nach dem Tod?
Fotos, E-Mails, WhatsApp-Chatverläufe oder Dokumente können für Angehörige wertvolle Erinnerungen sein – oder ausgesprochen privat.
Genau hier zeigt sich, warum der digitale Nachlass auch eine Frage der Privatsphäre ist. Wer nichts regelt, überlässt anderen möglicherweise Entscheidungen, die man zu Lebzeiten ganz bewusst selbst getroffen hätte.
Der Wunsch, dass niemand die eigenen Nachrichten oder persönlichen Dateien liest, lässt sich nicht allein dadurch verwirklichen, dass man das Thema ignoriert. Wer selbst bestimmen möchte, was nach dem Tod mit seinen Daten geschieht, sollte deshalb möglichst konkret festlegen, was weitergegeben, gelöscht, archiviert oder eben nicht zugänglich gemacht werden soll.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt unter anderem, eine Vertrauensperson zu bestimmen und schriftlich festzuhalten, was mit den einzelnen Konten und Daten geschehen soll.
Ein Beispiel
Nehmen wir an, auf Ihrem Smartphone befinden sich mehrere tausend private Fotos. In der Cloud liegen zusätzlich Familienbilder und wichtige Dokumente. Im E-Mail-Postfach finden sich Rechnungen, Buchungsbestätigungen und persönliche Nachrichten.
Soll Ihre Familie alles sehen dürfen?
Wer seine privaten Daten schützen möchte, sollte zunächst selbst aufräumen: Was nicht mehr benötigt wird, kann bereits zu Lebzeiten gelöscht werden. Für die Daten, die bleiben sollen, legen Sie fest, was nach dem Tod damit geschehen soll. So kann beispielsweise bestimmt werden, welche Fotos oder Dokumente an Angehörige weitergegeben werden, welche Dateien gelöscht werden sollen und welche persönlichen Nachrichten privat bleiben sollen.
Je genauer diese Wünsche festgehalten sind, desto weniger müssen Angehörige später darüber entscheiden, was vermutlich im Sinne des Verstorbenen gewesen wäre.
Wer hat Zugriff auf Online-Konten nach meinem Tod?
Das ist eine der wichtigsten Fragen beim digitalen Nachlass.
Der Bundesgerichtshof hat bereits 2018 entschieden, dass digitale Inhalte grundsätzlich vererbbar sein können. Im sogenannten Facebook-Fall ging es um den Zugang zu einem Benutzerkonto und den darin enthaltenen Kommunikationsinhalten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Angehörige einfach mit einem beliebigen Passwort alle Konten eines Verstorbenen übernehmen sollten. Bei den einzelnen Diensten gelten unterschiedliche Verfahren. Manche Anbieter verlangen beispielsweise einen Nachweis über den Todesfall oder bestimmte Unterlagen.
Für Angehörige ist deshalb eine möglichst vollständige Übersicht besonders hilfreich.
Noch besser ist es, wenn der Verstorbene bereits zu Lebzeiten geregelt hat, wer sich um den digitalen Nachlass kümmern soll.
Eine solche Vertrauensperson kann beispielsweise dafür sorgen, dass:
- wichtige Daten gesichert werden,
- laufende Verträge gekündigt werden,
- Social-Media-Profile gelöscht oder in einen Gedenkzustand versetzt werden,
- nicht mehr benötigte Accounts geschlossen werden,
- wichtige Dokumente für die Erben auffindbar sind.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt dafür eine entsprechende Vollmacht. Soll sie auch nach dem Tod gelten, muss sie über den Tod hinaus erteilt werden.
Wie kann ich meinen digitalen Nachlass regeln?
Die gute Nachricht: Für die erste Vorsorge braucht es keine komplizierte digitale Nachlassverwaltung.
Ein sinnvoller Anfang ist eine Bestandsaufnahme.
1. Verschaffen Sie sich einen Überblick
Welche E-Mail-Adressen, Social-Media-Profile, Cloud-Speicher, Abos, Kundenkonten und anderen Online-Dienste nutzen Sie?
Auch ältere Konten gehören auf den Prüfstand. Vielleicht existieren noch Accounts, die längst vergessen sind. Egal ob alt oder neu, schreiben Sie sie auf. Sie können Ihre Accounts und Online-Zugänge in einem Notizbuch erfassen oder in einer Excel-Tabelle. Hauptsache, Sie haben am Ende einen Überblick.
2. Bestimmen Sie eine Vertrauensperson
Überlegen Sie, wer sich im Ernstfall um Ihren digitalen Nachlass kümmern soll.
Das kann beispielsweise der Ehepartner, ein erwachsenes Kind oder eine andere Person sein, der Sie vertrauen – und die bestenfalls ein wenig Ahnung von Online-Themen hat.
3. Legen Sie fest, was passieren soll
Nicht jedes Konto muss gleich behandelt werden.
Bei einem Konto kann die Anweisung „löschen“ lauten, bei einem anderen „Inhalte sichern“ und bei einem dritten „weiterführen oder kündigen“. Auch das können Sie ggf. in einer Excel-Tabelle erfassen und gliedern.
4. Sorgen Sie für den Zugang
Eine Liste mit Benutzerkonten und Zugangsdaten kann den Angehörigen viel Arbeit ersparen. Sie sollte allerdings sicher aufbewahrt und regelmäßig aktualisiert werden.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt ebenfalls eine Übersicht der Online-Konten mit Benutzernamen und Passwörtern für die Vertrauensperson.
5. Denken Sie auch an Smartphone und Computer
Digitale Daten liegen nicht ausschließlich im Internet. Auch Smartphones, Tablets, Computer, externe Festplatten und USB-Sticks können wichtige persönliche Informationen enthalten.
Deshalb gehört auch die Frage in die Nachlassplanung:
Was soll mit meinen Geräten und den darauf gespeicherten Daten geschehen?
Checkliste: Digitalen Nachlass vorbereiten
Wer seinen digitalen Nachlass einmal grundsätzlich ordnen möchte, kann mit dieser kurzen Checkliste starten:
☐ Alle wichtigen Online-Konten und digitalen Dienste erfassen
☐ E-Mail-Konten und Cloud-Speicher berücksichtigen
☐ Social-Media-Profile auflisten
☐ Kostenpflichtige Abos und Online-Verträge notieren
☐ Smartphone, Computer, Tablets und andere Datenträger berücksichtigen
☐ Vertrauensperson bestimmen
☐ Zugangsdaten sicher hinterlegen
☐ Festlegen, welche Daten weitergegeben, archiviert oder gelöscht werden sollen
☐ Wünsche zu Social-Media-Profilen festhalten
☐ Vollmacht beziehungsweise Nachlassregelung prüfen
☐ Liste regelmäßig aktualisieren
Und wenn der Todesfall bereits eingetreten ist?
Für Angehörige kommt die Beschäftigung mit dem digitalen Nachlass meist zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gleichzeitig müssen sie häufig relativ schnell handeln.
Der erste Schritt sollte deshalb nicht darin bestehen, wahllos Accounts zu löschen. Besser ist es, zunächst einen Überblick zu gewinnen.
Welche Geräte gibt es? Welche E-Mail-Adressen sind bekannt? Welche Verträge oder Abos könnten bestehen? Gibt es Hinweise auf Cloud-Speicher oder Social-Media-Profile?
Auch eine Durchsicht von Unterlagen und Kontoauszügen kann dabei helfen, unbekannte Online-Verträge aufzuspüren.
Anschließend sollte geklärt werden, welche Nachweise die jeweiligen Anbieter benötigen und was mit den einzelnen Konten geschehen soll. Bei sozialen Netzwerken gibt es beispielsweise je nach Anbieter unterschiedliche Möglichkeiten für Löschung oder Gedenkzustand.
Und vor allem: Nicht alles muss sofort gelöscht werden. Fotos, Dokumente oder Nachrichten können für die Familie von großer Bedeutung sein. Erst sichern, dann entscheiden, lautet deshalb eine gute Grundregel.
Digitaler Nachlass: Eine kleine Vorsorge mit großer Wirkung
Der digitale Nachlass ist ein Thema, das viele Menschen gerne verdrängen. Vielleicht auch deshalb, weil die Vorstellung unangenehm ist, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Gleichzeitig macht es Arbeit, Ordnung in das eigene digitale Leben zu bringen. Zudem wird es Nutzern nicht gerade leicht gemacht, digitale Konton zu löschen. Wer einmal versucht hat, seinen Facebook-Account zu löschen, weiß, wovon ich rede…
Doch insgesamt ist der Aufwand überschaubar.
Eine Liste der wichtigsten Konten, eine Vertrauensperson und klare Wünsche dazu, was mit den persönlichen Daten geschehen soll, können später einen großen Unterschied machen.
Denn genau darum geht es beim digitalen Nachlass: nicht darum, anderen möglichst viele Passwörter zu hinterlassen. Sondern darum, selbst zu entscheiden, was vom eigenen digitalen Leben bleiben darf – und was privat bleiben oder verschwinden soll.
Wer diese Entscheidungen zu Lebzeiten trifft, schützt damit nicht nur seine eigene Privatsphäre. Er erspart auch den Menschen, die sich später darum kümmern müssen, eine Menge Unsicherheit.





