Mit 67 in Rente? Für viele klingt das nach einer ziemlich langen Zielgeraden. Wer früher aufhören möchte, könnte es künftig schwerer haben. Die Alterssicherungskommission empfiehlt, den abschlagsfreien Rentenbeginn allein aufgrund von 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Auch die Altersgrenze für die Rente nach 35 Versicherungsjahren soll von 63 auf 64 Jahre steigen.
Damit verändert sich eine wichtige Möglichkeit für Menschen, die viele Jahre gearbeitet haben. Wer früher nicht mehr arbeiten möchte, muss deshalb stärker selbst vorsorgen.
Die gute Nachricht: Sie können Ihren Ruhestand ein Stück weit selbst planen. Dafür gibt es zwei interessante Wege. Sie können Rentenabschläge durch zusätzliche Beiträge ausgleichen. Oder Sie bauen eigenes Vermögen auf und überbrücken damit die Jahre bis zum regulären Rentenbeginn.
Warum der frühe Ruhestand Geld kostet
Wer vor seiner regulären Altersgrenze in Rente geht, bekommt weniger gesetzliche Rente. Nach der derzeitigen Regelung beträgt der Abschlag 0,3 Prozent für jeden Monat, den die Rente früher beginnt. Ein Jahr kostet damit 3,6 Prozent. Bei drei Jahren sind es 10,8 Prozent.
Ein einfaches Beispiel:
Sie hätten mit 67 Jahren voraussichtlich Anspruch auf 1.800 Euro gesetzliche Rente.
Sie möchten aber bereits mit 64 Jahren aufhören zu arbeiten.
Bei einem Abschlag von 10,8 Prozent blieben rechnerisch rund 1.606 Euro übrig.
Die Differenz beträgt knapp 194 Euro im Monat. Und sie bleibt dauerhaft bestehen.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Wer drei Jahre früher aufhört zu arbeiten, zahlt auch drei Jahre lang keine Beiträge mehr ein. Dadurch können weitere Rentenansprüche verloren gehen.
Genau hier setzen die beiden Strategien an.
Möglichkeit 1: Rentenabschläge ausgleichen
Eine Möglichkeit ist eine freiwillige Sonderzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung.
Umgangssprachlich wird oft davon gesprochen, „Rentenpunkte zu kaufen“. Ganz korrekt ist das nicht. Sie zahlen zusätzliche Beiträge ein. Damit können Sie die Rentenminderung ausgleichen, die durch einen geplanten vorzeitigen Rentenbeginn entsteht.
Das ist grundsätzlich ab dem 50. Lebensjahr möglich.
Wie viel Geld dafür notwendig ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Die Deutsche Rentenversicherung kann berechnen, welche Zahlung erforderlich wäre.
Ein Beispiel
Nehmen wir wieder an, Sie möchten drei Jahre früher in Rente gehen.
Ihre voraussichtliche Rente würde ohne Abschlag 1.800 Euro betragen. Durch den vorzeitigen Beginn entsteht nach der heutigen Regelung ein Abschlag von 10,8 Prozent.
Sie können nun prüfen lassen, wie viel Sie zusätzlich einzahlen müssten, um diese Kürzung auszugleichen.
Die Summe kann beträchtlich sein. Sie sollten deshalb nicht einfach einen bestimmten Betrag einplanen. Lassen Sie sich die erforderliche Zahlung individuell von der Deutschen Rentenversicherung berechnen.
Der Vorteil:
Das Geld erhöht Ihren gesetzlichen Rentenanspruch. Sie erhalten dadurch später eine höhere monatliche Rente.
Der Nachteil:
Das Geld ist danach nicht mehr frei verfügbar. Sie können es beispielsweise nicht einfach wieder entnehmen, wenn Sie es für eine größere Anschaffung benötigen.
Und noch etwas ist wichtig: Mit der Sonderzahlung finanzieren Sie nicht automatisch Ihren Lebensunterhalt bis zum Rentenbeginn. Wenn Sie beispielsweise mit 64 Jahren nicht mehr arbeiten und Ihre gesetzliche Rente erst später beginnt, brauchen Sie dafür zusätzlich Geld.
Möglichkeit 2: Die Rentenlücke selbst schließen
Die zweite Möglichkeit funktioniert anders, und zwar bauen Sie sich ein eigenes Vermögen auf. Dieses Vermögen wiederum soll Ihnen den frühen Ruhestand ermöglichen.
Das Prinzip ist einfach:
Sie hören früher auf zu arbeiten. Ihr eigenes Geld ersetzt zunächst einen Teil des fehlenden Arbeitseinkommens. Später kommt die gesetzliche Rente dazu.
Das kann zum Beispiel über ein Tages- oder Festgeldkonto, Wertpapiere oder einen langfristigen Sparplan geschehen. Welche Anlage geeignet ist, hängt unter anderem von Ihrem Alter, dem Zeitraum und Ihrer persönlichen Risikobereitschaft ab.
Beispiel: Drei Jahre früher aufhören
Sie möchten mit 64 statt mit 67 Jahren aufhören zu arbeiten.
Dafür benötigen Sie monatlich 2.000 Euro.
Für drei Jahre ergibt sich folgende Rechnung:
2.000 Euro × 36 Monate = 72.000 Euro
Sie benötigen also rechnerisch 72.000 Euro, wenn Ihr gesamter Lebensunterhalt in dieser Zeit aus dem eigenen Vermögen bezahlt werden soll.
Das ist allerdings nur eine sehr einfache Beispielrechnung.
Denn vielleicht erhalten Sie bereits eine vorgezogene gesetzliche Rente. Oder Sie verdienen noch etwas mit einem Minijob oder einer Teilzeitstelle dazu. Dann benötigen Sie entsprechend weniger eigenes Geld.
Sie müssen nicht sofort komplett aufhören zu arbeiten
Nehmen wir an, Sie benötigen weiterhin 2.000 Euro im Monat. Sie arbeiten aber nach dem vorzeitigen Ausstieg noch in Teilzeit und verdienen 900 Euro.
Dann müssen nur noch 1.100 Euro monatlich aus anderen Quellen kommen.
Für drei Jahre wären das:
1.100 Euro × 36 Monate = 39.600 Euro
Aus 72.000 Euro werden in diesem einfachen Beispiel also weniger als 40.000 Euro.
Das zeigt: Ein früher Ruhestand muss nicht bedeuten, dass Sie von einem Tag auf den anderen überhaupt nicht mehr arbeiten.
Wie viel Geld brauchen Sie für den frühen Ruhestand?
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wann möchte ich aufhören?“
Sie sollten auch fragen:
„Wie viel Geld brauche ich jeden Monat?“
Eine einfache Orientierung kann so aussehen:
| Monatlicher Bedarf | 2 Jahre | 3 Jahre | 4 Jahre |
|---|---|---|---|
| 1.500 € | 36.000 € | 54.000 € | 72.000 € |
| 2.000 € | 48.000 € | 72.000 € | 96.000 € |
| 2.500 € | 60.000 € | 90.000 € | 120.000 € |
| 3.000 € | 72.000 € | 108.000 € | 144.000 € |
Die Tabelle zeigt nur den Kapitalbedarf für den jeweiligen Zeitraum. Sie berücksichtigt keine Rendite, Steuern oder Inflation.
Außerdem bedeutet ein größeres Vermögen nicht automatisch, dass Sie dieses Geld vollständig verbrauchen müssen. Ein Teil kann später als Ergänzung zur gesetzlichen Rente dienen.
Wie viel müssen Sie dafür sparen?
Je früher Sie mit dem Sparen beginnen, desto leichter wird es.
Angenommen, Sie möchten mit 64 Jahren zusätzlich 72.000 Euro zur Verfügung haben. Sie sind heute 54 Jahre alt. Dann bleiben also zehn Jahre, um die entsprechende Summe zu sparen.
Ohne Zinsen und Wertentwicklung müssten Sie durchschnittlich etwa 600 Euro im Monat zurücklegen:
72.000 Euro ÷ 120 Monate = 600 Euro.
Das ist viel Geld. Deshalb lohnt sich ein früherer Start.
Beginnen Sie beispielsweise bereits mit 44 Jahren, haben Sie 20 Jahre Zeit. Die gleiche Summe würde ohne Rendite rechnerisch nur noch 300 Euro im Monat erfordern.
Bei einer Geldanlage kann die tatsächliche Sparrate niedriger ausfallen. Darauf sollten Sie sich aber nicht verlassen. Renditen sind nicht garantiert. Auch Wertpapiere können zwischenzeitlich deutlich an Wert verlieren.
Die beiden Strategien lassen sich kombinieren
Sie müssen sich übrigens nicht für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden, wenn Sie früher in Rente gehen wollen.
Eine Kombination kann sinnvoll sein.
Sie könnten beispielsweise einen Teil Ihres Geldes einsetzen, um einen möglichen Rentenabschlag auszugleichen. Einen weiteren Teil sparen Sie als frei verfügbares Vermögen an.
Damit verfolgen Sie zwei Ziele:
Die gesetzliche Rente fällt weniger stark.
Gleichzeitig haben Sie Geld für die ersten Jahre des Ruhestands.
Welche Variante besser ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Dazu gehören unter anderem Ihr Einkommen, Ihre bisher erworbenen Rentenansprüche, Ihr Vermögen und der gewünschte Zeitpunkt des Ruhestands.
Fazit: Früher in Rente gehen, wird damit zur Rechenaufgabe
Die Rentenreform könnte den klassischen Weg in einen frühen Ruhestand erschweren. Das bedeutet aber nicht, dass Sie zwingend bis zum regulären Rentenalter arbeiten müssen.
Sie können selbst vorsorgen.
Dafür gibt es mehrere Stellschrauben: Sie können mögliche Rentenabschläge durch zusätzliche Beiträge ausgleichen. Sie können ein eigenes Vermögen aufbauen. Oder Sie reduzieren Ihre Arbeitszeit schrittweise.
Der wichtigste Schritt ist deshalb eine möglichst realistische Rechnung:
Wie hoch wird Ihre gesetzliche Rente voraussichtlich sein? Wie viel Geld benötigen Sie monatlich? Und wie viele Jahre möchten Sie früher aufhören?
Je früher Sie diese Fragen beantworten, desto größer ist Ihr Spielraum. Denn beim frühen Ruhestand gilt eine einfache Regel: Was Ihnen später an Arbeitseinkommen fehlt, müssen Sie vorher durch andere Einnahmen oder eigenes Vermögen ersetzen.

